Der Rechtsanwalt

Das folgende ist - mit Auslassungen zitiert aus http://www.anwaltskammer-eupen.be/de/rechtsanwalt.htmlund ich möchte es Ihnen schmunzelnd nicht vorenthalten. Und da es deutschen Anwälten nicht immer anders ergeht als den belgischen Kollegen, würde ich mich freuen, wenn Sie besonders den Punkt zur Post aufmerksam lesen würden.

„Der Rechtsanwalt - Gebrauchsanleitung

 

Ein wenig Präzision schadet nicht.

Irgendetwas Unbestimmtes von Irgendwem, der noch bestimmt werden muss aus irgendeinem noch nicht feststehenden Grund zu verlangen, hat sehr wenig Erfolgsaussichten.
Man muss zum Beispiel wissen, ob es einen Mietvertrag gibt oder nicht, man muss wissen, wer der Eigentümer ist, man muss zumindest den Namen und die genaue Adresse der Personen kennen, von denen man etwas verlangt.
Forderungen müssen präzise bestimmt werden.


Aktenstücke müssen rechtzeitig übermittelt werden.

Alle prozessrechtlich bedeutsamen Unterlagen wie zum Beispiel Vorladungen werden, außer in seltenen Ausnahmefällen, mindestens 8 Tage vor der Gerichtssitzung zugestellt, so dass Sie Ihren Rechtsanwalt hiervon sofort nach Empfang der Vorladung in Kenntnis setzen müssen. Jegliche Verspätung in der Übermittlung kann für Sie große Nachteile haben. Ihr Rechtsanwalt erhält nicht unbedingt alle Prozedurakten, es obliegt Ihnen, ihm unverzüglich alles zu übermitteln, was Sie erhalten.

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Antworten Sie sofort auf die Fragen Ihres Rechtsanwalts.

Eine Prozedur vor Gericht kann Ihnen lang erscheinen, dies hängt von verschiedenen Faktoren, wie vor allem des Respekts der Verteidigungsrechte einer jeden Partei ab; man muss jedoch auch wissen, dass die gerichtlichen Fristen strikt und manchmal unter Strafe der Unzulässigkeit vorgeschrieben sind. Wenn Ihr Rechtsanwalt Ihnen schreibt, um Ihr Einverständnis mit Schlussanträgen, Erklärungen zur Sache oder Beweisstücke zu erfragen, antworten Sie ihm bitte sofort oder in kürzester Frist, da Ihr Rechtsanwalt meist an einen strikten und präzisen Kalender gebunden ist, so dass, wenn Sie ihm nicht antworten, das Gelingen Ihres Streitfalls in Gefahr gerät.

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Manchmal ist es ratsam, präventiv einen Rechtsanwalt zu konsultieren.

Wenn ein Streitfall auftritt, so muss sofort und als Präventivmaßnahme ein Rechtsanwalt zu Rate gezogen werden. Wenn Sie versuchen, selbst Ihren Streitfall zu klären, ist der Rechtsanwalt oft gezwungen, eine bereits katastrophale Situation als Aktengrundlage anzunehmen, so dass er oft nur den Schaden begrenzen kann, wenn dies noch möglich ist. Eine Beratung zu Beginn eines Streitfalls ist immer wesentlich billiger als ein langwieriger Prozess. Der Rechtsanwalt darf nicht zum letzten Heilmittel werden, nachdem man alle anderen, manchmal unqualifizierten Beratungen ausgekostet hat. Der Rechtsanwalt sollte als erster zu Rate gezogen werden, bevor nachteilige Aussagen gemacht werden.

Vertrauen Sie niemals Gerüchten und dem Hörensagen.

Sie müssen zu Ihrem Rechtsanwalt ein Vertrauensverhältnis aufbauen und unterhalten; wenn Sie Fragen haben, so müssen Sie ihm diese stellen. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele falsche Gerüchte und Ideen verbreitet werden. Ihr Rechtsanwalt ist die geeignete Person, um Ihnen eine Beratung zu Ihrem speziellen Fall zu geben. Kaum eine Akte kann mit einer anderen verglichen werden, praktisch jeder Fall ist einzigartig.

Sie müssen Ihr Anliegen nicht vor Ihrem Rechtsanwalt plädieren.

Ihr Rechtsanwalt unterliegt dem Berufsgeheimnis, dies ist für Sie die Garantie der Vertraulichkeit. Sie müssen ihm alle Elemente Ihrer Akte erklären. Sie brauchen sich vor ihm nicht zu rechtfertigen oder vor ihm Ihren Fall plädieren. Sie müssen nicht versuchen, ihn zu überzeugen. Sie setzen ihm alle Elemente Ihrer Akte auseinander, ohne irgendeines zu verschweigen und die Diskussion muss offen und ohne jede Zurückhaltung sein; lassen Sie Ihren Rechtsanwalt die Situation einschätzen und seine Meinung geben, danach können Sie über diese Meinung diskutieren. Wenn Ihr Rechtsanwalt der Meinung ist, dass Ihre Akte einen Aspekt aufweist, der ihm nicht genügend vertraut ist, wird er Ihnen einen Spezialisten vorschlagen.


Aber was suchen Sie bei Ihrem Rechtsanwalt?

Sie werden beschuldigt, eine strafrechtliche Übertretung begangen zu haben und Sie haben eine gewisse Sicht der Dinge, wobei Sie jedoch, vielleicht unbewusst, durch Dritte, eine Nachrichtensendung, eine Debatte im Fernsehen, einen Zeitungsartikel oder eine Diskussion unter Bekannten beeinflusst worden sind.

Es gibt ein Strafgesetzbuch und entsprechende Gesetzestexte, die vorsehen, dass diese oder jene Übertretung mit dieser oder jener Strafe geahndet wird. Ob Sie sich für schuldig oder unschuldig halten, der erste Schritt ist zu prüfen, ob das, was Ihnen vorgeworfen wird, im Gesetzestext vorgesehen ist und somit zu wissen, welches Risiko Sie eingehen, mit anderen Worten, welche Strafe das Gesetz vorsieht und wie im Allgemeinen verfahren wird. Die Wahrheit ist manchmal schmerzlich, aber wenn Sie sofort den Rechtsanwalt wechseln, weil dieser Sie informiert hat, ehe er überhaupt prüfen konnte, wie er Sie verteidigen kann, flüchten Sie vor der Wahrheit, verstecken sich vor der Realität.

Wenn Sie zum Rechtsanwalt oder zu einem Rechtsanwalt gehen, einzig und allein, damit dieser sich gemeinsam mit Ihnen entrüstet setzen Sie sich dem Risiko schwerer Desillusionen aus.

Sie sind bei Rot über eine Ampel überfahren und sind dabei erwischt worden; verlangen Sie nicht den Rücktritt des Justizministers; seien Sie wütend, wenn Sie dies wünschen, aber bleiben Sie realistisch. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass der Rechtsanwalt, der Ihnen eine Belohnung verspricht in diesem Fall der beste Verteidiger sein wird. Niemand ist perfekt, es gibt Rechtsanwälte, die in bestimmten Materien besser als andere sind, aber der beste ist nicht unbedingt derjenige, der Ihnen Recht gibt oder der Ihnen die öffentliche Hinrichtung der Gegenpartei verspricht. Sie korrekt zu verteidigen bedeutet auch, Abstand zu wahren und die Objektivität zu behalten.

Dies wird noch peinlicher, wenn Sie bewusst Ihren Rechtsanwalt getäuscht haben oder sich selbst täuschen. Ein wenig Bescheidenheit und Überlegung haben noch nie geschadet.

Der Richter hat den Auftrag, objektiv zu sein und Ihnen nicht unbedingt recht zu geben. Wenn Sie es jedoch vorziehen, die gefällige Lüge der Objektivität und einer realistischen, ehrlichen, deutlichen und unzweideutigen Verteidigung vorzuziehen, schlussendlich ist es Ihre Sache, aber Sie setzen sich einem hohen Prozessrisiko aus.

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Lesen Sie die Post, bevor Sie anrufen.

Die Texte der Urteile sind nicht immer leicht zu verstehen, in seinen Briefen gebraucht der Rechtsanwalt oft Ausdrücke, deren Sinn Sie nicht immer kennen. Es ist allerdings vorzuziehen, erst zumindest den Umschlag zu öffnen und das Geschriebene zu lesen, ehe Sie anrufen. Im Fall von Problemen können Sie nachher immer noch telefonieren um eine Erklärung zu erhalten, die Ihnen gerne gegeben werden wird.

Ihr Rechtsanwalt verteidigt Ihre Rechte, er hört Ihnen zu, aber er nimmt nicht Ihren Platz ein für Ihre Leidenschaften und Ihre Gefühle, selbst wenn diese legitim sind.
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Der Rechtsanwalt kann in einer unhaltbaren oder unhaltbar gewordenen Sache keine Wunder vollbringen. Das Justizwesen dient nicht dazu, Ihre Fehler zu beheben, der Rechtsanwalt kann Ihnen die konkrete Situation erklären, dies ist seine Rolle als Rechtsberater. Sie dürfen nicht vergessen, dass es in einem Streitfall mindestens 2 Parteien gibt, die gegenteilige Positionen haben und dass der Richter neutral und objektiv ist, während jede der Parteien Ihre Position erklärt; der Richter hört somit zwei Stellungnahmen, die im Prinzip beide plausibel sind, und er wird urteilen müssen.


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